Turnierfrisur, die lieber den Profis anvertraut werden sollten

In den letzten 20 Jahren ist das Styling-Angebot im Tanzsport enorm gestiegen. Momentan wächst eine ganze Generation der jungen Tänzer auf, welche seit dem ersten Auftritt einen tadellosen Look auf die Fläche bringen. Dank der Tanzstylisten.

Es reicht nicht mehr aus, Haare irgendwie glatt zu kämmen und den Dutt in irgendwelche Form zu legen. Ich will nicht darüber diskutieren, ob es gut oder schlecht ist. Es ist die aktuelle Lage.

Und weil es immer mehr Profis im Styling gibt und immer mehr Tänzer ihre Leistungen wahrnehmen, steigt der Druck auf die Amateure, also diejenigen, die sich selbst für ein Turnier zurechtmachen. Denn, ob sie es wollen oder nicht, müssen sie sich mit den Profis messen.

Es ist eigentlich einfacher, als man denkt. Die wichtige Voraussetzung besteht darin, sich Klarheit darüber zu schaffen, was nur mit professioneller Kompetenz oder mit einem zweiten Paar Hände funktioniert. Und Finger davon zu halten.

Fangen wir an mit der höchsten Kompetenzstufe. Ich bin Tanzstylistin und mache alle möglichen Frisuren für meine Kunden. Hier sind die Frisuren, die ich aber mir  selbst nicht machen würde. Ich meine nicht, dass es unmöglich ist, aber ich behaupte, dass es an sich selbst extrem schwierig ist. Und in der nötigen Präzision kaum bis gar nicht machbar.

Die sogenannten Rippen über den ganzen Kopf.

Eine absolute Gruselgeschichte in der Kombination mit dem Hochdutt. Ewig mühsam mit einem tiefen Dutt.

Die Frisuren, deren Schönheit in der perfekten Symmetrie liegt.

Selbst wenn ich es an mir nach dem langen Kamp mit unendlichem Spiegeleinsatz schaffe, bin danach definitiv nicht mehr tanzfähig.

Die komplexen Frisuren mit viel Dekoration hinten. Dazu oft noch mit Dekoration auf dem gekreppten Haar ohne Netze.

Sorry, keine Frisur ist dem Körpereinsatz wert, der in der Position gebrauchen wird. Und dann noch im Spiegelbild. Auch in dem Fall geht es nicht darum, dass ich mir solche Frisur nicht machen könnte. Möglich. Aber wieder aus dieser Position mit derselben Präzision wird es mir so viel kosten, dass ich mein Tanzturnier gleich vergessen darf.

Die trockenen Wellen oder die Retrowellen.

Das ist wieder der Fall „möglich, aber lohnt sich nicht“. Ich habe sogar ein Tutorial in dem ich zeige, wie ich solche Welle  tue, an mir selbst. Für meinen professionellen Anspruch ist das Ergebnis aber nicht sauber und präziser genug. Sprich, wenn ich dieselbe Welle an einer Dame lege, ist sie qualitativ auf einem ganz anderen Niveau. Obwohl ich es mit demselben Paar Hände tue. Aber die Händeposition und der Überblock sind entscheidend. Die vergleichbare Qualität an sich selbst zu leisten, ist ein enormer Aufwand. Für mich persönlich ist die Frisur der nötigen Zeit und Kraftinvestition nicht wert.


Noch einmal möchte ich darauf hinweisen, dass keine dieser Frisuren für mich als Stylistin unmachbar ist. Also von der Kompetenz her kann ich sie alle machen und viele ähnlichen Designs habe ich bereits gemacht. Trotzdem gibt es, auch auf dem höchsten Kompetenzniveau, objektive Begrenzungen. Sie haben damit zu tun, dass wir eine andere Arm- und Händeposition haben. Und einen anderen Überblick.

Nehmen wir eine Tänzerin als Beispiel, die über keine Ausbildung und keine ausgereifte Kompetenz im Haarstyling verfügt, wird die Palette der Frisuren, die sie selbst lieber nicht versuchen sollte, deutlich breiter.

Um Deine mögliche Enttäuschung zu versüßen, eine richtig gute Nachricht zum Ende: die Palette der Frisuren, die Du Dir selbst machen kannst, ist ebenso sehr breit. Und diese Frisuren sehen kein Härchen schlechter aus als diese, die man lieber einem Profi anvertrauen soll.

Related Posts